Das Thema Gesundheit wird im weitesten Sinne betrachtet. Aspekte wie physische und psychische Gewalt, sozialer Ausschluss (Stigmatisierung, Ungleichheit der Geschlechter), Rechtsunsicherheit (Migrationsproblematik) und wirtschaftliche Unsicherheit wirken sich erheblich auf die Gesundheitsproblematik aus. Diese umfasst nicht nur Probleme wie HIV oder sexuell übertragbare Infektionen. Stress, psychische Leiden infolge von Diskriminierung, sowie die verschiedenen Gewaltformen, denen sich Sexarbeitende ausgesetzt sehen sind ebenfalls Teil der bio-psycho-sozialen Gesundheit. 
 
 
 
Advocacy für die Einhaltung und Förderung der Menschenrechte in der Sexindustrie
 
Neben gezielten Projekten zur Gesundheitsförderung und Verteidigung der Rechte der Sexarbeitenden ist es wichtig, die Behörden und die Gesellschaft im Allgemeinen von der Wichtigkeit und den Vorteilen dieser Projekte zu überzeugen, damit deren Unterstützung gewonnen oder weiterhin erhalten bleiben kann.
Advocacy-Aktionen dienen zur Verteidigung der  Bürgerrechte von Sexarbeitenden (faire Behandlung durch öffentliche Ämter, das Rechtswesen und durch private Institutionen wie Banken und Versicherungen).  Selbst in Ländern mit einem reglementaristischen System ist diese Gleichbehandlung nicht immer garantiert. Die Geltendmachung dieser Grundrechte kann verschiedene Formen annehmen, von informellen Verhandlungen bis zur Gründung von Gewerkschaften und Berufsverbänden.
 
 
 
Risikofaktoren in der Sexarbeit
 
Zahlreiche Studien über HIV-Infektionen und sexuell übertragbare Krankheiten allgemein haben gezeigt, dass intravenöser Drogenkonsum, der Migrantenstatus, finanzielle Schwierigkeiten, MSM-Kundschaft und STI-Infektionen Faktoren darstellen, die eine HIV-Infektion begünstigen. Generell wurde festgestellt, dass selbstständiges Arbeiten und Kommunikationsfähigkeit das Risiko von HIV-Infektionen und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten erheblich verringern.
In Bezug auf die Exposition von Sexarbeitenden gegenüber Gewalt wurden in diesen Studien mehrere Risikofaktoren aufgeführt. Sexarbeitende sind häufiger Gewaltformen ausgesetzt, wenn sie ihre Kunden nicht frei auswählen können, weil ihnen zum Beispiel die Erfahrung fehlt oder weil sie dringend Geld brauchen. Drogensucht als solche wird auch als Risikofaktor bezeichnet weil der Beschaffungsdruck die Sexarbeitenden dazu veranlasst, auch „zweifelhafte“ Kunden anzunehmen. Ein weiteres Risiko für Gewaltsituationen sind ungewöhnliche Treffpunkte. Und schliesslich ergaben die Studien, dass ein abolitionistischer Rechtsrahmen das Risiko für Sexarbeitende, Gewaltformen ausgesetzt zu sein erhöht, da sie im Falle eines Übergriffs keine Anzeige erstatten können und auch häufig Ofer von Missbräuchen seitens der Polizei werden. 
 
 

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