PROKORE ist ein schweizerisches Netzwerk zur Verteidigung der Rechte von Personen, die in Berufen des Sexgewerbes arbeiten [siehe Statuten]. Die Mitgliedschaft setzt sich zusammen aus Aktiven Vereinigungen aus dem Kreis der weiblichen und männlichen Prostitution, und aus Personen, die im Sexgewerbe arbeiten. Seine Mitglieder treten für die in ihrer Charta entwickelten Prinzipien ein. 

 

Ihre Ziele sind folgende:

  • Ein Ort des Austauschs, des Nachdenkens und des Handelns zu sein im Zusammenhang mit Problemen des Sexmarktes.
  • Dafür zu kämpfen, dass Sexarbeiterinnen und Organisationen, die sich für sie einsetzen, an der Ausarbeitung politischer Entscheidungen, die sie betreffen, als PartnerInnen anerkannt werden.
  • Dafür zu kämpfen, dass die Personen, die im Sexgewerbe arbeiten, die gleichen Rechte geniessen wie andere Bürgerinnen und Bürger (gleicher Zugang zum Recht, zur Gesundheit, zur Sicherheit, usw.).
  • Dafür zu kämpfen, dass die Massnahmen verstärkt werden, welche gezielt Personen oder verantwortliche Netze von Zwangs- und Gewalttaten an Sexarbeitern und -arbeiterinnen verfolgen. Wichtig ist besonders, dass die Opfer geschützt werden und Nutzniesser uns Nutzniesserinnen von unbegrenzten schweizerischen Aufenthaltsbewilligungen sein können.


Um diese Ziele erreichen zu können, arbeitet PROKORE in der folgenden Art und Weise:

  • PROKORE informiert seine Mitglieder, ebenso wie andere Vereinigungen, Verbände, Amtsträger und die breite Öffentlichkeit über die aktuellen Bedürfnisse und die anfallenden Probleme.
  • PROKORE schlägt Lösungen vor und sucht Mittel, um diese zu konkretisieren.
  • PROKORE schaltet sich als Kollektiv gegenüber den Behörden und zuständigen Instanzen ein. Dies als Ergänzung zu den eigentlichen Aktivitäten der einzelnen Mitglieder von PROKORE.
  • PROKORE ist bestrebt, am Prinzip der Zuteilung der Subventionen an alle Mitgliedorganisationen festzuhalten und verteidigt dies gegenüber den Behörden.

 

In Erwägung dass:

  1. Das Sexgewerbe eine Realität ist, welche nicht abgeschafft werden kann, weder durch Gesetze noch Reglemente. Verschärfte Gesetze würden die Illegalität und Randständigkeit verstärken. Durch verschärfte Gesetze würden die Zonen des Rechtlosen, der Ausbeutung und der Gewalt in verschiedenster Art begünstigt. Die Situation der SexarbeiterInnen würde unsicherer und die Bemühungen um die Förderung der Gesundheit und der Solidarität schwieriger.
  2. Die SexarbeiterInnen verschiedene Realitäten haben. Ein Teil der SexarbeiterInnen hat ihre Arbeit frei gewählt und hat eine Berufsidentität. Andere arbeiten wegen prekären ökonomischen Bedingungen im Sexgewerbe. Andere wiederum arbeiten unter Zwangsausübung von Dritten im Sexgewerbe (individueller Zwang oder Zwang von organisierten Netzen).

 

PROKORE respektiert die Personen, die in den Sex-Berufen arbeiten, unabhängig von ihrer Herkunft, Geschlecht oder Lebenssituation.

 

PROKORE ist sich bewusst, dass die Realität der im Sexgewerbe tätigen Frauen und Männer sehr verschieden ist. Wir anerkennen und wertschätzen die SexarbeiterInnen und setzen uns für die Risikoverminderung ein. Nur solche Politik kann die Diskriminierungen, Ungerechtigkeiten und Gewalttätigkeiten, deren Opfer die SexarbeiterInnen sind, bekämpfen.


Die Sex-Arbeit stellt eine Dienstleistung dar und darf nicht verboten werden.

 

PROKORE findet es wichtig, zwischen der freiwillig ausgeführten und der erzwungenen Sexarbeit zu unterscheiden. PROKORE will die freiwillig ausgeführte Sexarbeit entkriminalisieren:

  • um die Stimme der SexarbeiterInnen, die ihre Aktivität als freie, unabhängige Tätigkeit fordern, anzuerkennen.
  • um eine wirkliche Präventionsarbeit im Kampf gegen die erzwungene Prostitution und andere Sexarbeiten zu ermöglichen.

Die Definition von Michèle Hirsch übernehmend, versteht PROKORE unter erzwungener Prostitution: "Die Tatsache, aus Gewinnsucht eine Person zu zwingen für eine andere Person einen sexuellen Dienst auszuführen, unter irgendeiner Form von Zwang." Der Zwang beinhaltet "die offensichtlichsten Formen der Gewalt (Freiheitsberaubung, Schläge, Vergewaltigung, Drohungen, usw.) und gegebenenfalls die Tatsache, eine Person zu sexuellen Handlungen zu nötigen, indem ihre Verletzlichkeit missbraucht wird, sei es wegen ihrer unsicheren administrativen oder illegalen Situation, ihrer ökonomischen Abhängigkeit oder ihrem schlechten Gesundheitszustand". Der Zwang, welcher hier definiert wird, kann alle Formen der sexuellen Arbeit betreffen.

 

PROKORE betrachtet die Person als Ganzes. Um wirksam zu sein, muss alle Präventionsarbeit vom Blickwinkel der ganzheitlichen Gesundheitsförderung aus verstanden werden. Diese beinhaltet die Menschenrechte und die Frage der Bürgerschaft, der physischen und der psychischen Sicherheit, der Selbstbestimmung und den Kampf der SexarbeiterInnen gegen ihre Stigmatisierung. Gesundheit wird bestimmt durch soziale Faktoren (Recht, Wohnung), durch ökonomische Faktoren (Stabilität des Einkommens), durch psychologische Faktoren (soziale Bedingung, Selbstwertgefühl).

 

PROKORE ist ein Kollektiv zur Verteidigung der Menschenrechte und der Bürgerrechte von Personen, die im Sexgewerbe arbeiten.

 

Zusätzliche Informationen